Traktat über die Nächstenliebe

Traktat über die Nächstenliebe


Traktat über die Gastfreundschaft

Reaktion auf die Leserbriefe zur Berichterstattung des Münchner Merkur vom 25.November 2014 über die hungerstreikenden Flüchtlinge in München…

Bald 60 Jahre wählen die Bayern mehrheitlich christlich-soziale Politiker in die Landesregierung, in deren Partei-Satzung der Bezug auf das christliche Welt-und Menschenbild an oberster Stelle steht. Gerne halten sich in Bayern  Christ-Soziale und andere Christen die „Nächstenliebe“ als ihre ureigene Erfindung zugute. Beim Lesen der Lesermeinungen im Münchner Merkur kann man dann – auch nicht zum ersten Mal – erkennen, dass diese viel zitierte Liebe nicht so umfassend gemeint zu sein scheint wie angenommen.

Nein, Herr Roth, in der Tat sorgen sich die um Asyl bittenden Flüchtlinge in München vermutlich nicht darum, dass ihnen der Strom abgedreht werden könnte, sie haben weit Schlimmeres erlebt. Sie bitten uns nachdrücklich um Hilfe, weil in ihren Heimatländern u.a. die deutschen Exportschlager von Atlas Elektronik, Rheinmetall und Krauss Maffei Wegmann ihre Häuser zerstört und ihre Familien verwundet und getötet haben. Es ist unendlich beschämend, dass wir mitnichten in einem von echter Nächstenliebe geprägten Landstrich leben. Sondern unter Leuten, die aufgrund exotischer neuer Nachbarn um den Wertverlust ihrer Grundstücke fürchten (Bad Tölz) und dunkelhäutige Flüchtlinge in einem Kurort als eine Gefahr für den Tourismus sehen (Bad Hindelang).

Im flächenmäßig größten deutschen Bundesland Bayern leben über 12 Millionen Menschen. In dieses Land sind in diesem Jahr vielleicht an die 20.000 Flüchtlinge aus aller Welt gekommen. Bayern ist ein Land, in dem man stolz darauf ist, über 76 Millionen Gäste im Jahr beherbergen zu können. Auch haben wir es mit einem Bundesland zu tun, in dem man es alle Jahre wieder ohne nennenswerte Probleme meistert, innerhalb von gerade mal zwei Wochen 6 bis 7 Millionen Leute auf 31 Hektar mitten in der Landeshauptstadt zum Biertrinken und Karussell-Fahren unterzubringen. Für dieses Land sollen 20.000 um Hilfe bittende Menschen eine Belastung oder gar Bedrohung sein? Kaum zu glauben! Aber vermutlich stimmt schon, was Gerhard Polt behauptet: ‚Ein Paradies ist immer dann, wenn einer da ist, der wo aufpasst, dass keiner reinkommt.‘ Dann passen Sie mal weiter gut auf, Herr Roth!

Assunta Tammelleo
Kulturbühne Hinterhalt

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