Liebe Kulturfreundinnen und Kulturfreunde, liebe Presse,
als wenn wir das nicht alle wissen: wir leben in einerpatriarchalen Welt. Darüber täuscht nicht hinweg, dass Frauen wählen, studieren und inzwischen auch ohne Erlaubnis ihrer Ehegatten außer Haus arbeiten dürfen, sogar gegen Bezahlung. Fürchterliche Fälle von Gewalt gegen Mädchen und Frauen – in fast nicht enden wollender Anzahl – beschäftigen die Medien und die ganze Gesellschaft seit Monaten.
Aktuell ist hierzulande die Strafanzeige der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Ehemann Thema Nr.1. Und die nicht enden wollende Berichterstattung dazu, darüber, drumrum. Was allerdings im Fall Fernandes mehr als befremdlich wirkt, das ist die Tatsache, dass sich sämtliche Medien – private und öffentlich-rechtliche – auf quasi allen Kanälen quasi alle gleichzeitig – fast überschlagen, um Collien Fernandes als Opfer dieses „Täters“ darzustellen.
Selbst die amtierende Justizministerin nimmt sich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Angelegenheit an, in Deutschland gehen zahlreiche Menschen auf die Straßen, im Netz reißt die Diskussion über womöglich fehlende Gesetze nicht ab und sogar Oliver Pocher ist solidarisch mit Collien Fernandes.
Aber jetzt einmal ehrlich: wo bleibt die Unschuldsvermutung als fundamentaler Grundsatz des bundesdeutschen Rechtsstaates? Sie gilt für jede/n Bürger/in der Bundesrepublik, für Prominente und Nicht-Prominente, für Reiche und Arme, Frauen und Männer gleichermaßen, solange sie nicht rechtskräftig verurteilt sind. Also auch für den beschuldigten Ex-Ehemann. Selbstverständlich ist es das gute Recht von Collien Fernandes, mit ihrer Strafanzeige an die Medien-Öffentlichkeit zu gehen.
Aber müssen bei uns allen nicht die Alarmglocken bimmeln, wenn im demokratischen Rechtsstaat, mit seiner – immer noch – pluralen Medienlandschaft und seinem öffentlich-rechtlichen Rundfunk allerorten Einseitigkeit, Vereinfachung und sagenhaft viel Empörung vorherrschen?
„(…) Gerade weil sie (die Medien; d.Verf.) so viel Einfluss haben, müssen sie aber auch verantwortungsvoll damit umgehen. Faire Berichterstattung und ehrliche Information, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlt, sind Voraussetzungen dafür, dass die Medien ihrer Rolle als „Vierte Gewalt“ auch gerecht werden können (…)“/
Bundeszentrale für Politische Bildung, 2026.
Na, denn…
Herzlichst
Kulturbühne Hinterhalt
KIL e.V. – Kulturverein Isar Loisach
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